Wissenstransfer


Wissenstransfer ist notwendig, um das im Unternehmen vorhandene Wissen zu bewahren und auch weiterzuentwickeln, damit  es nicht verloren geht, falls ein Wissensträger das Unternehmen verlässt und das Wissen für möglichst viele Mitarbeiter, die es benötigen, zur Verfügung steht.

 Man sollte dabei aber immer bedenken, dass ein Wissenstransfer im Grunde nur eine Idealvorstellung ist, da nur bedingt alle verknüpften Informationen weitergeben werden können und der Empfänger dadurch die weitergegebenen Informationen in seine eigene, möglicherweise vom Sender verschiedene, Wissensbasis integriert.

Ich verwende dennoch die Bezeichnung Wissenstransfer, aber bitte darum, die Bezeichnung mit Vorsicht zu verstehen. Der Wissenstransfer kann nun entweder mündlich oder schriftlich erfolgen, was bedeutet, dass ein Unternehmen für eine sinnvolle Gestaltung des Wissenstransfers, zuvor eine Aufwandsbetrachtung machen sollte.

Der mündliche und der schriftliche Transfer haben jeweils Vor- und Nachteile.

Vorteile des mündlichen Transfers sind:

  • die durch den „Experten“ auf die Aufgabenstellung zurechtgeschnittene Erklärung,
  • die Möglichkeit des Gegenübers bei Unklarheiten nachzufragen
  • und die geringe Zeitintensität, gegenüber dem schriftlichen Transfer.

Nachteile sind:

  • die Begrenzung der Empfängeranzahl,
  • die Notwendigkeit des in Erscheinung treten des „Experten“ bei jedem Wissensbedarf
  • und der Verlust des Wissens, wenn der „Experte“ das  Unternehmen verlässt.

 

Unter „Experte“ ist derjenige zu verstehen, der das Wissen bzw. die Informationen weitergeben soll.

Vorteile des schriftlichen Transfers sind:

  • eine einmalige Dokumentation des Expertenwissens,
  • die nahezu unbegrenzte Anzahl von möglichen Empfängern
  • und dass das Wissen bzw. die Informationen auch bei Weggang des „Experten“ im Unternehmen bleiben.

Nachteile sind:

  • vor allem die hohe Zeitintensität,
  • die ungefilterte Speicherung von Informationen bzw. Datensätzen, da nicht vorhersehbar ist, in welcher Problemstellung sie benötigt werden
  • und  der Aufwand für Aktualisierung und Verwaltung dieser.

 

Die Form des Wissensbedarfs hängt, wenn man sich Vor- und Nachteile genauer anschaut, hauptsächlich von der Häufigkeit des Wissensbedarfs ab.

Ist die Häufigkeit gering, sollte der mündliche Transfer ausreichen, ist er aber relativ hoch, ist evtl. der zeitintensive schriftliche Transfer zu bevorzugen.

 Die Komplexität für die Aufwandsbetrachtung eines schriftlichen Transfers soll durch folgende Methoden näher erörtert werden.

Zunächst entsteht das Erfahrungswissen im Unternehmen durch die Tätigkeit einzelner Mitarbeiter  in Entwicklungsprojekten.

Dieses Erfahrungswissen ist zu diesem Zeitpunkt natürlich noch an diese Personen gebunden, weshalb man nun entscheiden muss, wie schwer es ist dieses personenunabhängig zu machen. 

Zu diesem Zweck ist es vorerst dienlich, zwischen explizitem und implizitem Wissen zu unterscheiden.

Durch diese Einteilung wird grob unterschieden, welches Wissen implizit und damit schwer bzw. auch nicht dokumentierbar ist und welches Wissen explizit und damit leichter zu dokumentieren ist.

Diese Betrachtung lässt allerdings keine sehr starke Differenzierung zu, weshalb Trittmann und Mellis (1999) noch andere Kriterien zu Hilfe ziehen.

Sie Unterscheiden deshalb nicht nur nach dem Ausmaß der Personenbindung in explizites Wissen als leicht dokumentierbar und implizites Wissen als schwer bzw. nicht dokumentierbar, sondern treffen eine Entscheidung nach Problem- und Lösungsdimensionen.

Zum einen wird die Problemdimension in gut und schlecht strukturiert unterschieden, wobei gut strukturierte Probleme abgegrenzt und bewertbar sind und schlecht strukturierte Probleme demzufolge einen Abgrenzungs- und Bewertungsdefekt haben. Zum anderen unterscheiden sie den Lösungsraum in gut oder schlecht bekannt, wobei ein gut bekannter Lösungsraum überblick- und vergleichbar ist und ein schlecht bekannter Lösungsraum einen Überblick- und Vergleichbarkeitsdefekt besitzt.

Es ergibt sich dann durch Kombination beider folgende Matrix:

Tabelle 3: Dokumentierbarkeit von Erfahrungswissen. Trittmann/Mellis

Bei Problemen des Typ I soll die Erfahrung einfach zu dokumentieren sein.

Dies tritt meist in der Entwicklungsphase der Implementierung auf, in der Bewertungskriterien für Laufzeiten und Speicherbedarf festgelegt werden.

Dadurch macht es auch keine großen Schwierigkeiten anderen Mitarbeitern die Lösung zu vermitteln und auch zu begründen.

Bei Typ II Problemen ist nur die Problemdimension einfach zu dokumentieren.

Dies tritt meist bei der Fehlersuche in Programmen auf. Hier sind die wesentlichen Problemvariablen bekannt und die Lösung leicht zu erklären, aber durch fehlende Vergleiche mit Alternativen nur schwer zu begründen.

Bei Typ III Problemen ist nur die Lösungsdimension leicht zu dokumentieren.

Dieser Fall tritt z.B. bei der Auswahl von Case – Werkzeugen auf.

Die grundsätzlichen Vor- und Nachteile dieser sind zwar bekannt, aber durch die schlechte Kenntnis des Problems ist die Auswahl trotzdem nicht trivial.

Bei Typ IV Problemen ist die Erfahrung schwierig zu dokumentieren.

Dies tritt z.B. in der Produktentwicklung auf, in der der Überblick über alle möglichen Lösungsalternativen nahezu ausgeschlossen ist und deshalb auch die Dokumentation des daraus gewonnenen Erfahrungswissens fast unmöglich ist.

Um diese theoretischen Überlegungen noch zu vertiefen wenden wir uns jetzt einem praxisnahen Beispiel zu.

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Über Wirtschaftsinformatik

Wissensmanagement Berlin-Brandenburg, Blogger zu den Themen Wirtschaftsinformatik, Wissensmanagement , Informationsmanagement, und Prozessmanagement, sowie zum Leben in Berlin und Brandenburg. Ach ja, und Games. Computerspiele aller Art, Speiele für PC, XBOX, WII, Stretegiespiele, Action, Ego Shooter, einfach alles ;-) Wirtschaft, Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Wirtschaftswissenschaften in Schule und Studium sind weitere Themen, die mich beschäftigen Außerdem mag ich Pflanzen und Tiere und allgemein die Natur - Haustiere nicht zu vergessen. Training und Kraftsport sind mir wichtig um fit und in Form zu bleiben.
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Eine Antwort zu Wissenstransfer

  1. Bachelor schreibt:

    Also meine Erfahrung hinsichtlich dem Transfer von Wissen ist, dass alles was nicht schriftlich dokumentiert wird früher oder später verloren geht, unabhängig von Unternehmen oder Organisation.

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