Experience Factory als modernes Instrument des Wissensmanagements


Die Softwareentwicklung ist beispielsweise stark an Dokumenten orientiert, beginnend bei den ersten Planungen, über das Pflichtenheft, den Quellcode selbst, die Dokumentation sowie die nachträgliche Analyse der Projekte. Ein Dokumentmanagement erscheint daher nicht nur ein guter Einstieg zum Wissensaustausch zu sein, es ist sogar zwingend notwendig – auch ohne speziell gelebtes Wissensmanagement.

Die zweite Basis des Wissensmanagements in der Softwareentwicklung bildet das Kompetenzmanagement, bei dem Experten identifiziert werden und Kommunikation zwischen Experten und Wissensnachfragern ermöglicht wird.

Bei explizitem Wissen kann dies über Dokumentationen von Projekten und deren Analyse geschehen, z.B. mit Hilfe der Experience Factory, die nachfolgend noch genauer vorgestellt wird.

Für die Weitergabe von implizitem Wissen, eignet sich der Ansatz des Experience Engines, eine Abwandlung der Experience Factory der Ericsson Software Technology AB.

Um einen aktiven Wissensaustausch zu ermöglichen, muss die Unternehmenskultur dies Unterstützen, d. h. es muss Vertrauen sowohl zwischen den Mitarbeitern untereinander, als auch zwischen den Mitarbeitern und dem Management geben, da dieses Wissen auch gegen sie verwendet werden könnte oder nur für andere Mitarbeiter Vorteile bringt (vgl. Rus, Lindvall und Sinha 2001). Die Experience Factory legt fest, dass das Wissen anonym gesammelt werden muss und niemals als Bewertung für die Individuen dienen darf (vgl. Basili et al. 1994).

Wissen soll nicht geheim gehalten oder gehandelt werden, sondern Erfahrungen aus der Vergangenheit sollen allen frei zugänglich sein, um sie zu unterstützen.

Hilfreich zur Wissensgewinnung ist es, während den Arbeitsphasen auch Teile einzubauen, bei denen bewusst Erfahrung gesammelt und dokumentiert werden, z.B. indem Projektpräsentationen erstellt werden. In der Experience Factory sollen Erfahrungen aus allen Aufgabenbereichen der Softwareentwicklung gespeichert werden. Das Grundkonzept ist das Quality Improvement Paradigm, das eine kontinuierliche Verbesserung der Softwarequalität erreichen soll. Es ist damit klar, dass die Experience Factory eine Langzeitlösung darstellt. Da es sich um eine neue Technologie handelt, die bisher vorwiegend im universitären Bereich eingesetzt wird, ist das Kosten/Nutzen-Verhältnis im Praxiseinsatz in der Wirtschaft bisher noch nicht genau vorauszusagen, obwohl bisher nur positive Ergebnisse erzielt wurden (vgl. Trittmann und Mellis 1999).

Es gibt auch verschiedene Ansätze, um möglichst früh Nutzen aus den gesammelten Erfahrungen zu ziehen:

Einer dieser Ansätze ist der AnswerGarden, der z.B. eine Wissensbasis für den Kundensupport bildet, indem Kundenfragen oder –probleme mit den zugehörigen Lösungen gespeichert werden. Damit können für sich wiederholende Probleme und Fragen bereits erarbeitete Lösungen angeboten werden, was Arbeit spart und auch die Qualität des Suports erhöht, da sich die Antwortzeiten verkürzen (vgl. Basili et al 2001).

Darauf basiert auch der „From Knowledge Dust to Pearls“ Ansatz des Fraunhofer Center for Experimental Software Engineering in Maryland. Der AnswerGarden wird dabei als Knowledge Dust bezeichnet. Es wird versucht Wissen, das in alltäglichen Aufgaben entsteht, aufzufangen, was nur wenig zusätzliche Zeit in Anspruch nimmt, um auch zusätzliches Wissen schriftlich festzuhalten, das bisher nur mündlich untereinander ausgetauscht wurde. Durch unternehmensweite Sammlung des Wissens, können durch Filterung und Analyse Wissensperlen gewonnen werden, die die Probleme im größeren Zusammenhang sehen und qualitativ bessere Lösungen bieten (vgl. Basili et al 2001).

In eine andere Richtung geht die Entwicklung des Experience Engines, der sich auf das implizite Wissen der menschlichen Experten stützt. Hierbei werden keine Erfahrungen dokumentiert, da das System auf einem Rollenmodell beruht. Es gibt einen Experience Broker, der ein Generalist ist und das Problem schnell verstehen muss. Dieser vermittelt der Person, die ein Problem lösen muss, einen geeigneten Experten, der als Experience Communicator auftritt. Dieser löst nicht das Problem, sondern lernt dem Mitarbeiter, wie er das Problem selbst lösen kann (vgl. Brössler 1999). Dieses Verfahren unterstützt den Transfer von implizitem Wissen zwischen den Beteiligten, was auf anderem Weg nur schwer oder gar nicht möglich ist.

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Über Wirtschaftsinformatik

Wissensmanagement Berlin-Brandenburg, Blogger zu den Themen Wirtschaftsinformatik, Wissensmanagement , Informationsmanagement, und Prozessmanagement, sowie zum Leben in Berlin und Brandenburg. Ach ja, und Games. Computerspiele aller Art, Speiele für PC, XBOX, WII, Stretegiespiele, Action, Ego Shooter, einfach alles ;-) Wirtschaft, Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Wirtschaftswissenschaften in Schule und Studium sind weitere Themen, die mich beschäftigen Außerdem mag ich Pflanzen und Tiere und allgemein die Natur - Haustiere nicht zu vergessen. Training und Kraftsport sind mir wichtig um fit und in Form zu bleiben.
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Eine Antwort zu Experience Factory als modernes Instrument des Wissensmanagements

  1. Studium schreibt:

    Ich glaube Wissen als Ressource und Wissensmanagement werden im Industrie 4.0 Zeitalter immer wichtiger werden, nicht nur in der Wirtschaftsinformatik, sondern als eigenständiges Studienfach

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