Kooperatives Lernen: Konstruktivismus


Konstruktivismus im Kontext von Wissensmanagement und Pädagogik

Konstruktivistische Ansätze gehen davon aus, dass unser Wissen über die Welt das Ergebnis mentaler Konstruktionsprozesse und nicht passiver Abbildungen objektiver, allgemeingültiger Tatsachen ist . Lernen ist dann am effektivsten, wenn Lernende den Lernprozess zu einem hohen Grad selbst steuern können. Hierbei wirken der subjektive Eigenanteil der Lernenden mit der sozial-kulturellen Lernumgebung zusammen. Erworbene Fähigkeiten und Wissen der Teilnehmer werden gefestigt wenn beispielsweise das eigene Verständnis eines Sachverhalts den Mitlernenden kommuniziert wird.

Konstruktivismus setzt voraus, dass Lernende am besten für sich selbst entscheiden können welches für sie die beste Lernmethode ist. Allerdings setzt dieses Wissen eine Methodenkompetenz voraus, die erst in längeren Lernprozessen erworben werden muss. Dies gilt mit Einschränkungen auch für konstruktivistisches Wissensmanagement.

Die konstruktivistische Lerntheorie setzt vor allem auf Lernformen, in denen die Lehrenden nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Berater hinsichtlich des individuellen Lernprozesses sind.

Kernaussagen des Konstruktivismus

  • Wirklichkeit ist nicht objektiv erkennbar, sondern wird von Menschen pluralistisch und lebensgeschichtlich geprägt wahrgenommen. Von entsprechender Bedeutung für Wissensmanagement ist die Frage der Bedeutung von Menschen in ihrer Rolle als Wissensträger
  • Wirklichkeit ist nicht etwas Vorgegebenes, sondern sie wird von Menschen erzeugt, sie ist das, was in uns etwas bewirkt
  • Die tatsächliche Realität ist dem Menschen kognitiv nicht zugänglich
  • Unsere Welt wird nicht durch lineare Kausalität bestimmt, sondern durch Wechselwirkung

 

Entstehung der konstruktivistischen Sicht auf Wissensmanagement

Im Zuge der industriellen Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts und vor allem durch die Entwicklung von Presse und Druckverfahren, wurde das Wissen einer Gesellschaft langsam immer mehr Menschen zugänglich. Gleichzeitig begannen die Menschen, Maschinen in der Entwicklung ihrer Arbeitsweisen einzusetzen, die in der Regel durch sich wiederholende Prozesse gekennzeichnet und insbesondere auf die Herstellung von Konsumgütern wie Möbeln, Uhren, Textilien und derartiges ausgerichtet waren. Den Bedürfnissen dieser neuen Gesellschaft folgend, entstanden letztendlich durch die Wissenschaft neue Prozesse und Verfahren, um die Weitergabe von Wissen durch Bücher, Ausbilder und Lehrer an die Lernenden zu ermöglichen. Konstruktivismus war zu dieser Zeit nicht gefordert.

Noch heute erwerben Menschen auf der Grundlage dieser frühen Prozesse zur Übertragung von Kenntnissen Wissen, die einst entstanden, um die Bedürfnisse einer Gesellschaft in den frühen Stadien der Industrialisierung zu erfüllen – und daher oftmals nicht mit den Bedürfnissen der heutigen Informationsgesellschaft vereinbar sind. In einer Informationsgesellschaft müssen Menschen mit einer Masse von Informationen, die über Medien, Bücher und verschiedene Telekommunikations- und Informationssystem-Technologien zurechtkommen, ohne von dieser Informationsflut überfordert zu sein. Darüber hinaus wurde das Verhältnis der Menschen zu Arbeit durch tiefgreifende Veränderungen beeinflusst. Beispielsweise wird Wissen selbst als wertvolles Arbeitsprodukt angesehen, und der Arbeitsplatz ist oft zu einem Umfeld der Wissensschaffung und des Lernens geworden. Änderungen in den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Szenarien der Welt führten zu der Schlussfolgerung, dass Wissen den Unterschied macht, der zu Innovationen führen kann und Organisationen, Gesellschaften und sogar Länder davor bewahren kann, ihre Hauptziele zu verfehlen.

Forschungsbereich Wissensmanagement

Im Mittelpunkt dieser Überlegungen steht der Forschungsbereich Wissensmanagement, der sich mit der Schaffung, Integration und Nutzung von Wissen befasst, um die Leistungsfähigkeit von Einzelpersonen und Organisationen zu verbessern. Fortschritte in diesem Bereich werden hauptsächlich durch die Annahme motiviert, dass Organisationen sich auf Wissensressourcen konzentrieren sollten (im Allgemeinen von den Mitgliedern einer Organisation bewahrt und gepflegt), um in der Informationsgesellschaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei argumentieren viele, dass Wissensmanagement-Initiativen aus einer konstruktivistischen Perspektive heraus betrachtet und entsprechend ausgerichtet werden sollten. Im Allgemeinen konzentriert sich eine konstruktivistische Sicht auf Wissensmanagement auf die Art und Weise, wie Wissen entsteht, wobei den Wissensträgern und ihrem natürlichen Verhalten große Bedeutung beigemessen wird.

 

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2 Antworten zu Kooperatives Lernen: Konstruktivismus

  1. Bachelor schreibt:

    Kooperatives Lernen also…fanden unsere Lehrer damals nicht so gut, wenn ich mich recht erinnere.

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